Fachtag „Gemeinsam näher dran“ in Greifswald zeigt Lösungen
Wie können Familien so unterstützt werden, dass Hilfen nicht an Zuständigkeitsgrenzen enden? Diese Frage stand im Mittelpunkt des Fachtags „Gemeinsam näher dran – Kooperationen für Familien in MV Akti(F) gestalten“, der am 10. September 2026 in Greifswald stattfand. Rund 100 Fachkräfte aus Sozialer Arbeit, Arbeitsmarkt, Verwaltung, Beratung und Familienförderung kamen zusammen, um Erfahrungen auszutauschen und die Zusammenarbeit über Institutions- und Rechtskreisgrenzen hinweg weiterzuentwickeln.
Familienleben hält sich nicht an Zuständigkeiten. Finanzielle Sorgen, Arbeitslosigkeit, Kinderbetreuung, gesundheitliche Belastungen, Migration oder Trennung treten häufig gleichzeitig auf. Für Familien bedeutet das nicht selten, mit verschiedenen Behörden und Unterstützungssystemen zu tun zu haben. Der Fachtag nahm deshalb die Frage in den Blick, wie bestehende Angebote besser miteinander verbunden werden können, damit Unterstützung tatsächlich bei den Familien ankommt.
Akti(F) Plus: Unterstützung, die ankommt
Einen wichtigen Schwerpunkt bildeten die Akti(F)-Plus-Projekte in Mecklenburg-Vorpommern. Das ESF-Plus-Programm „Akti(F) Plus – Aktiv für Familien und ihre Kinder“ unterstützt Familien, die von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht sind, und verbindet individuelle Begleitung mit dem Aufbau tragfähiger Kooperationsstrukturen.
Die Projekte K.O.M.M. 2.0 des CJD Nord, U(H)rWerk+ des BilSE-Instituts und Familienwerkstatt 2.0 von RegioVision Schwerin gaben Einblicke in ihre praktische Arbeit. Dabei wurde deutlich, wie vielfältig die Lebenslagen von Familien sind und wie wichtig niedrigschwellige, individuelle und verlässliche Unterstützung ist.
Einen wissenschaftlichen Impuls gab Prof. Dr. Johannes Daniel Schütte von der TH Köln. Er richtete den Blick auf institutionelle Strukturen und die Frage, warum vorhandene Unterstützungsangebote Menschen nicht immer erreichen. Seine zentrale Botschaft: Nicht allein das Vorhandensein eines Angebots entscheidet darüber, ob Hilfe wirkt. Entscheidend sind auch Zugänglichkeit, Verständlichkeit und funktionierende Schnittstellen zwischen den beteiligten Institutionen.
Besonders anschaulich wurde dies durch Videos mit Projektteilnehmenden. Sie machten sichtbar, was Unterstützung im Alltag bewirken kann. Hinter Begriffen wie „Arbeitsmarktintegration“ oder „rechtskreisübergreifende Zusammenarbeit“ standen konkrete Lebensgeschichten. Deutlich wurde: Neben großen Maßnahmen sind oft auch verlässliche Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner entscheidend, die zuhören, Orientierung geben und gemeinsam mit den Familien den nächsten machbaren Schritt suchen.
Ein Gedanke zog sich dabei wie ein roter Faden durch den Tag: Familien erleben keine Rechtskreise – sie erleben ihr Leben.
Vernetzung, die praktisch wird
Dass Vernetzung nicht nur diskutiert, sondern gelebt wurde, zeigte der Gallery Walk. Netzwerke, Beratungsangebote und Projekte stellten ihre Arbeit vor und kamen direkt mit den Teilnehmenden ins Gespräch. So entstanden neue Kontakte und Ideen für zukünftige Kooperationen.
Der Fachtag machte deutlich, wie viel Fachwissen, Engagement und Erfahrung in Mecklenburg-Vorpommern bereits vorhanden sind. Gleichzeitig wurde klar: Gute Vernetzung braucht regelmäßigen Austausch, Offenheit für andere Perspektiven und die Bereitschaft, institutionelle Grenzen dort zu überwinden, wo sie Familien im Alltag im Weg stehen.
Die Schirmherrin Stefanie Drese, Ministerin für Soziales, Gesundheit und Sport des Landes Mecklenburg-Vorpommern, eröffnete die Veranstaltung mit einem Online-Grußwort und würdigte das Engagement der Fachkräfte: „Sie machen den Unterschied! Herzlichen Dank für Ihren Einsatz!“
Ein herzlicher Dank gilt allen Referierenden, Projektteilnehmenden und Fachkräften, die ihre Erfahrungen und Perspektiven eingebracht haben. Unser besonderer Dank gilt zudem dem Organisationsteam um Silke Junge, das den Fachtag mit großem Engagement und fachlicher Kompetenz vorbereitet und umgesetzt hat.
Der Fachtag hat damit nicht nur über Vernetzung gesprochen – er hat Vernetzung selbst geschaffen.


