Job oder Kita-Platz – Familienwerkstatt hilft

In der Einrichtung im Mueßer Holz werden Eltern und Kindern gute Wege aufgezeigt

Maren Ramünke-Hoefer

Ja, der Standort sei wirklich ein wenig versteckt, sagt Maik Schaumann, Projektkoordinator der Schweriner Familienwerkstatt, und deutet auf das Schild „Kindertagesstätte Igelkinder“. Im alten Kita-Gebäude in der Justus-von-Liebig-Straße 27 bis 29 wird noch umgebaut. Das Familienwerkstatt-Zeichen fehlt bislang. Aber wer sie sucht, der findet sie. Mindestens ein Mitarbeiter ist immer vor Ort. Das Team ist angetreten, um Menschen zu helfen, besser mit ihrem Leben in Schwerin zurechtzukommen – einen Arbeitsplatz zu finden, einen Kita-Platz oder Nachhilfe für die Jüngsten, einen Deutschkurs, neue Freunde, eine gute Perspektive.
Manchmal fülle sie einfach nur Formulare aus, für Wohngeld, Elterngeld oder andere Sozialleistungen, erklärt Maren von Schauenburg. Manchmal hört sie einfach nur zu, wenn sich Frauen mal den Kummer von der Seele reden und die Last des Alltags loswerden wollen, erzählt Michaela Gerhahn. Und manchmal gehen sie miteinander spazieren, die Coaches und die Teilnehmer, und reden über Gott und die Welt, über die alte Heimat, das Ankommen in der neuen Heimat, die Hoffnungen und die Probleme.
Etwa die Hälfte der Teilnehmer in der Familienwerkstatt sind Migranten, sagt Holger Vowinkel. Um die kümmert sich am liebsten Luba Valnova, die selbst nicht in Deutschland geboren wurde. Sie weiß, was es bedeutet, das eigene Land zu verlassen und einen Neuanfang zu wagen. Sie weiß, wie elementar das Erlernen der neuen Sprache ist und wie wichtig soziale Kontakte sind. Die Coaches ebenso wie die Teilnehmer schätzen ihre herzliche und offene Art.
Knapp 200 Familien und Einzelpersonen hat die Familienwerkstatt inzwischen begleitet. Seit März 2020 ist sie in der Landeshauptstadt am Start. Sie gehört zum Modellprogramm „Akti(F) – Aktiv für Familien und ihre Kinder“, das das Bundesarbeitsministerium fördert. Sechs Coaches finanziert das Projekt, drei in Vollzeit, drei in Teilzeit. Jeder von ihnen habe seine ganz besonderen Fähigkeiten sowie besondere Kontakte und Netzwerke in Schwerin.
Dass die Familienwerkstatt im März 2020, also zu Beginn des ersten Corona-Lockdowns, ihre Türen geöffnet hat, das habe die Arbeit nicht gerade leichter gemacht. „Vor allem die Alleinerziehenden konnten wir nicht wie geplant erreichen“, sagt Maik Schaumann. Viele von ihnen hätten sich sozial weitgehend zurückgezogen. „Deshalb haben wir alternative Methoden der Betreuung und Beratung entwickelt“, so Schaumann. Es gab und gibt Video- und Telefonkonferenzen und bei Bedarf werden Wochenaufgaben vergeben. Persönlich sind Coaches der Familienwerkstatt montags bis donnerstags jeweils von 8 bis 16 Uhr und freitags von 8 bis 14 Uhr in der Justus-von-Liebig-Straße 27 anzutreffen. Hinzu kommen feste Veranstaltungen wie das Näh-Café jeden zweiten Dienstag und Donnerstag im Monat von 16 bis 19 Uhr. Jeden Mittwoch wird in der Liebigstraße professionelle Nachhilfe angeboten. Jeden letzten Dienstag und Donnerstag im Monat wird außerdem getöpfert.

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